„Es kann nicht sein, dass wir nur bei den Arbeitern in der Fabrik Opfer einfordern. Es geht jetzt um die Lehmschicht – vor allem das obere und mittlere Management“ (Peter Löscher im Juni 2008)
Peter Löscher, der sein einjähriges Jubiläum feiert, bekam heute kräftig Gegenwind für seine Pläne, bis zu 17.000 Stellen Weltweit abzubauen. Davon seien alleine 6.450 Stellen in Deutschland betroffen. weiterlesen »
“Politische Verantwortung in einem wirtschaftlichen Umfeld zu fordern, ist deplatziert.” Klaus Kleinfeld
Heinrich von Pierer, geboren am 26. Januar in Erlangen, besuchte das dortige Gymnasium Friedericanum und studierte an der Friedrich-Alexander-Universität in seiner Geburtsstadt Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre. Er promovierte 1968 zum Dr. jur. und erlangte das Diplom zum Volkswirt.
1969 begann Heinrich von Pierer seine Laufbahn bei der Siemens AG , 1989 wurde er Mitglied des Vorstandes. Er war Vorstandvorsitzender von 1992 bis Ende 2004 und wechselte anschließend als Vorsitzender in den Aufsichtsrat, wo er unter anderem als Mitglied des Prüfungsausschusses für die Korruptionsvorwürfe gegen Siemens tätig war.
Er legte seine Tätigkeit im Januar 2007 nieder, nachdem Vorwürfe der Verwicklung seiner Person in die Affäre aufgekommen waren.
Er blieb bis April 2008 Leiter des Rates für Innovation und Wachstum, welches als Beratergremium der Bundesregierung fungiert. Zudem hat von Pierer weitere Aufsichtsratssitze in einigen großen Unternehmen der Deutschen Wirtschaft.
Erst nachdem bekannt wurde, dass Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgenommen wurden, die von Pierer in Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre brachten, hat Kanzlerin Merkel verkündet, auf eine weitere Zusammenarbeit zu verzichten. Für Herrn von Pierer scheinen seine Verwicklungen in dieser Angelegenheit jedoch nicht Karriere-schädigend zu sein, er wird in den Vorstand des türkischen Konzerns Koç Holding wechseln.
Wenn man jetzt vor dem Hintergrund des Schmiergeldskandals, die in die Zeit von von Pierers Vorstandsvorsitz fällt, die Verwicklungen von Politik und Wirtschaft betrachtet, sowie deren ungebremste Lobbyarbeit in den Ministerien sieht, muss man sich ernsthaft fragen, ob und wie denn hier die Interessen der Wirtschaft von denen der Gesellschaft zu trennen sein sollen.
Wenn Berater von hohen Volksvertretern mit fragwürdigen Methoden und dubiosen Interessenvertretungen Politik machen, ist abzusehen, dass ein Land nur schlecht zu führen ist, da das Umfeld der Regierung mehr im Eigeninteresse einzelner Lobbies versinkt als in der Lösung von gesamtgesellschaftlichen Problemen.
Good Night Banana…
Nachtrag:
Herr von Pierer scheint darüber nachgedacht zu haben, daß er wohl einige Fehler während seiner Siemenszeit gemacht hat. Es ist immerhin löblich, daß er wenn auch spät, und natürlich erst, nachdem er Deutschland verliess, sich dessen bewußt wurde.
Nach den Skandalen der letzten Monate scheint langsam Ruhe bei der Siemens AG einzukehren. Der Konzern hat mit Gerhard Cromme, den Vorsitzenden der Regierungskommission für transparente Unternehmensführung („Cromme-Kommission“) den scheinbar richtigen Mann für den Aufsichtsratsvorsitz gefunden.
1971 begann Cromme seine Karriere beim französischen Konzern „Compangie de Saint-Gobain“. Es folgte 1986 der Wechsel in die Spitze der Krupp Stahl AG in Bochum, wo er maßgeblich an der Umstrukturierung und Fusion mit Hoesch und Thyssen zur ThyssenKrupp AG beteiligt war. Bis 2001 leitete er mit Ekkehard Schulz den neuen Konzern.
Ab 2001 wechselte Gerhard Cromme in den Aufsichtsrat als Vorsitzender. Seit 2007 ist er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG, und ist Mitglied des Aufsichtsrates von bei Lufthansa, E.ON, Allianz SE, etc. pp. Zudem ist er Mitglied des „European Round Table of Industrialists“.
Durch seine Tätigkeit in der “Regierungskommission für transparente Unternehmensführung” hat Gerhard Cromme Einfluß auf die Reform des Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts ausgeübt. Mit der Herausgabe des „Corperate Governance“ Kodex hat die Kommission zudem einen Leitfaden zur transparenten Unternehmensführung herausgegeben, der allerdings nicht bindend ist.
Nach Sieben Jahren an der Spitze der Kommission legte er seine Tätigkeit in diesem Jahr nieder, begründet durch die hohe Arbeitsbelastung seiner weiteren Tätigkeiten.
Gerhard Cromme wurde am 25. Februar 1943 in Vechta geboren. Er ist verheiratet und Vater von vier Töchtern. Er studierte in den 1960er Jahren Jura und Volkswirtschaftslehre in Münster, Lausanne, Paris und Havard und promovierte 1969 in Münster zum Dr. jur.
Durch seinen Einfluss in etlichen Konzernen kann man Gerhard Cromme sicherlich als den „Regenten“ des Deutschen Wirtschaftslebens bezeichnen. Wo sich jedoch eine so hohe Konzentration von Macht und Einfluss häuft, ist immer auch Vorsicht angebracht, denn wer kontrolliert die Kontrolleure?