Das Jahr 2009 ist kaum drei zwei Monate alt und dennoch drehen Aldi und Lidl bereits zu vierten Mal an der Preisschraube. Der Preiskampf der deutschen Lebensmittelketten ist voll entbrannt. Dabei beschränkt sich das Roulette der Zahlen nicht mehr nur auf die beiden Discounter auch Branchenriese Edeka mischt kräftig mit.
Aldi gilt hierbei als Taktgeber für die gesamte Branche. Senkt die Kette ihre Preise, ziehen alle anderen nach.
Gut, den Verbraucher freut es, aber irgendwann ist doch mal das Ende der Fahnenstange erreicht. Ein Mindestmaß an Qualität kostet auch entsprechend Geld.
Und wer muss es ausbaden, wenn die Lebensmittelpreise die Grenze zwischen Gewinn und Verlust überschreiten?
Wenn es der Kunde nicht tut, dann bleiben ja nur die Mitarbeiter und die Zulieferer. Da ist es schon verständlich, wenn 1,30 Euro vermeintlicher Verlust ausreichen, um sich vom teuren Personal zu trennen.
Das Poker um die niedrigsten Zahlen am Regal geht munter weiter, aber solange dadurch mehr Geld in der Brieftasche bleibt, gibt es doch keinen Grund, sich zu beschweren, oder?… Schließlich sind die Lebenshaltungskosten ja schon hoch genug.
Zahlreiche Produkte hat es diesmal getroffen, vom Tiefkühlhähnchen, über frische Putenschnitzel bis hin zu Joghurt und Schokolade. Um stellenweise 22 Prozent ist dabei der Preis in den Keller gesackt. Und womit Aldi anfängt, damit machen alle anderen weiter. Die Preissenkungen werden sicherlich auf den gesamten Lebensmittelmarkt ausstrahlen, denn wie gesagt, gilt Aldi quasi als Messlatte für alle anderen. Die großen Lebensmittelketten können sich ein derartiges Poker noch leisten, aber für kleine Einzelhändler ist es schon längst illusorisch, mit den Großen am Markt mithalten zu wollen.
Ein Zeichen des immer härter werdenden Wettbewerbs dürfte auch der kürzlich entbrannte Streit zwischen dem größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und dem Verband der deutschen Markenartikelhersteller sein. Der Verband wirft der Kette vor, ihre, durch die Plus-Übernahme gewonnene, Übermacht einsetzten zu wollen, um die Einkaufskonditionen massiv zu eigenen Gunsten zu verschieben. Von „maßlosen Forderungen“ war ebenso die Rede wie von einem möglichen juristischen Vorgehen gegen Edeka. Die Kette selbst widersprach den Vorwürfen mit dem Hinweis auf das erfolgreiche Netto-Konzept:
„Die Zusammenarbeit mit der Industrie beruht auf Leistung und Gegenleistung.“ erklärte eine Edeka-Sprecherin kürzlich.
Edeka hatte 2008 Plus übernommen und über 2.300 Filialen eingegliedert und plant den Großteil davon, 2010 in Netto umzubenennen. Netto wäre dann mit 3.800 Filialen und 10 Milliarden Euro Umsatz die Nummer drei in der deutschen Discounterlandschaft.
Eine Verschärfung des Preiskampfes ist damit abzusehen. So schlimm kann uns die Finanzkrise nicht getroffen haben, wenn sich Aldi und Co. sich weiter so unterbieten können.