Milliarden-Dividenden versus Arbeitsplätze
Die deutsche Wirtschaft wird tiefer und tiefer in den Strudel der Finanzkrise gerissen. Wie ernst die wirtschaftliche Situation ist, bestätigt vor allem die aktuell schlechte Auftragslage im Maschinenbau - Deutschlands Vorzeigebranche.
Doch trotz aller täglich auf uns einströmenden Krisenmeldungen, scheint es vor allem einigen DAX- Unternehmen noch nicht schlecht genug zu gehen- warum sonst gibt es gerade jetzt Milliarden-Dividenden für deutsche Anteilsbesitzer?
Die Antwort dazu ist einfach: Vor der Finanzkrise haben die Unternehmen hervorragend Gewinne einfahren können. Der Shareholder Value wurde also brav maximiert, so dass sich nun die Anteilseigner an diesem erfreuen dürfen.
Dabei kümmert es anscheinend wenig, dass gleichzeitig Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Dabei sollten doch Maßnahmen wie Kurzarbeit, Lohnkürzungen etc. die Arbeitsplätze sichern, oder? Und warum wollte eigentlich der Staat die Wirtschaft mit 100 € Kindergeldbonus und diversen Konjunkturpaketen ankurbeln?
Allerdings: Die Milliarden-Dividenden beschränken sich insbesondere auf Industrieunternehmen, wie Siemens, E.ON, K&S, Thyssen Krupp u. ä., und nicht die vom Staat enorm unterstützten Finanzdienstleister und Autobauer.
Andernfalls wäre das Fass der Empörung wohl übergelaufen.
Man fragt sich natürlich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn man den Gewinn thesauriert hätte, um Arbeitsplatzabbau u. ä. zu verhindern. Doch die Ausschüttungen bedeuten auch, dass die Unternehmen weiterhin als attraktive Investition dastehen wollen, um sich langfristig frisches Kapital potenzieller Aktionäre zu sichern; scheint dies schließlich umso wichtiger zu sein, je weniger sich die Unternehmen auf Fremdkapitalgeber , wie Banken u. ä., verlassen können.
Denn die Banken knüpfen zurzeit immer strengere Bedingungen an eine Kreditvergabe. Die Konsumlaune der Deutschen scheint durch die Finanzkrise nicht getrübt zu werden, so dass Dividenden ggf. indirekt die Wirtschaft ankurbeln könnten.
Die Aufregung um die Milliarden-Dividenden relativiert sich, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass vor allem aus Sicht der Finanzierung der Unternehmen mittels Eigenkapital, Anreize in dieser Form notwendig sind. Den Staat um frisches Kapital anpumpen zu müssen, folgt eine endlose öffentliche Diskussion. Diese dauert nicht nur, sondern schadet auch dem Image des Unternehmens.
Folglich würden potenzielle Eigenkapitalgeber zaudern ihr Kapital langfristig in das Unternehmen zu investieren.
Letztendlich bleibt die Frage, ob die Aufregung über die Milliarden Ausschüttungen bei gleichzeitigen Abbau von Arbeitsplätzen u.a. Maßnahmen, vernünftigen Gesichtspunkten unterliegt.
Welchem Mitarbeiter hilft es, wenn die Milliarden-Dividenden einbehalten werden, um kurzfristig den Job zu sichern, das Unternehmen aber langfristig kein Eigenkapital mehr bekommt, und auf den Konkurs zusteuert?