Diese Meldung ist wie Balsam für die Seele, besonders nach dem Krisenjahr 2009: Deutschlands Exporte waren im März so stark wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden teilte mit, dass die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat Februar um 10,7 % angestiegen sind. Den stärksten Anstieg gab es bis jetzt im Juli 1992, als ein Plus von 11,5% verzeichnet wurde.
Es sieht aus wie ein erster Schritt aus der Krise, wenn man den Zahlen glauben schenkt. Deutschland exportierte im März 2010 Waren im Wert von 85,6 Milliarden Euro, und führte Waren im Wert von 68,4 Milliarden Euro ein. Dies entspricht einer prozentualen Steigerung von 23,3 für die Einfuhren, was 18,3% mehr sind als im März 2009. Sind wir auf dem besten Weg aus der Krise, oder sind diese Zahlen nur saisonal bedingt? Jedenfalls lassen die Rekordsteigerungen auf ein erfolgreiches Wirtschaftsjahr 2010 hoffen.
Rekordanstieg deutscher Exporte - Woher kommt das?
Mitten in der weltweiten Finanzkrise scheinen Neuigkeiten über einen Rekordanstieg des Exports geradezu paradox, doch durch den schwachen Euro wird die Kaufkraft im Ausland gestärkt, und der deutsche Export kann von der steigenden Nachfrage profitieren.
Anton Börner, der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), betonte, dass diese Dynamik auf den Auslandsmärkten, besonders in Übersee, zum stärksten Anstieg der deutschen Exportwirtschaft seit fast 20 Jahren geführt habe. Für Exporte ausserhalb der EU wurde sogar ein Plus von 35% verzeichnet, was Börners Ansatz bekräftigt.
Zusätzlich hat auch die deutsche Importwachstumsrate im März ein Zehnjahreshoch erreicht. Börner formulierte es folgendermassen: “Damit ziehen die ausländischen Märkte die deutsche Wirtschaft aus der Krise”
Deutschland als Klassenprimus in der EU?
Die Angst vor der weiter auseinander klappenden Schere innerhalb der EU hat Staaten wie Frankreich dazu bewegt, die Exportstärke der deutschen Wirtschaft als einen Grund für das wirtschaftliche Gefälle innerhalb der Eurozone zu beschuldigen. Experten der Frankfurter Commerzbank rechneten allerdings nach den Rekordzahlen im März mit einer weiteren Erholung im Aussenhandel.
Demnach dürfte das deutsche Plus im März das Wachstum des Aussenhandels im April und den kommenden Monaten anschieben, so die Experten in Frankfurt am Main. Es müssen allerdings bei zahlreichen Handelspartnern noch “strukturellen Probleme” überwunden werden, welche die Nachfrage nach deutschen Waren bremsen könnten. Durch die Blume gesagt heisst das: Wenn sich der deutsche Erfolgstrend nicht fortsetzt, sind natürlich nicht die schwachen Binnenmärkte zu beschuldigen, sondern schwache Strukturen im Ausland.