Wie das Handelsblatt in einem Artikel feststellte, sind die großen Institutionen der neoliberalen Politik in der Sinnkrise.
Ob die gescheiterten Verhandlungen der Welthandels-Organisation (WTO), das Scheitern des G8-Gipfels in Hokkaido (Japan), die Ohnmacht der Notenbanken (FED, EZB, Bank of England) in der Finanz-Struktur-Krise, die lahm gelegte UNO, oder die gescheiterten Pläne der Europäischen Union auf dem weg zur Handels-Autokratie (Vertrag von Lissabon), ihnen allen ist gemein, dass die Dominanz der führenden Industrienationen innerhalb der globalen Organisationen am schwinden ist.
Wenn bei den Verhandlungen der WTO in Doha es lediglich darum ging die „Liberalisierung“ der Märkte voranzutreiben, um sie für die Industriestaaten zu öffnen, im Gegenzug die Subventionierung von Produkten nicht abgebaut wird, so dass sie konkurenzlos billig bleiben, dann ist es sehr verständlich, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer darauf nicht eingegangen sind.
Daß die „Erfolge“ des Internationalen Währungsfonds darin bestanden, radikale marktpolitische Reformen zu erzwingen, damit Entwicklungsländer an dringend benötigte Kredite kommen, und die erzwungenen „Reformen“ nur zu noch mehr Armut, Sozialabbau und Unrecht führten, muss man sich nicht wundern, dass der IWF keine Kunden mehr bekommt.
Die von der Weltwirtschaft abgehängten Länder haben angefangen sich zu organisieren (zum Beispiel UNASUR) und ein Gegengewicht aufzubauen zur Dominanz der Industrie-Nationen und Ihrer Institutionen. Die Abhängigkeiten der einzelnen Akteure zueinander (Rohstoff-Lieferanten und Industrie-Nationen) sind nicht mehr zu übersehen. Die Entwicklung ist nicht verwunderlich und nicht überraschend.
Ebenso wenig glaubwürdig ist eine deutsche Kanzlerin, die öffentlichkeitswirksam die Zensur in China anprangert und von ihrem Innenminister den Abbau der Grundrechte und die totale Überwachung forcieren lässt. Und bei den derzeitigen Problemen der Finanzinstitutionen, die komplett dereguliert hauptsächlich mit heißer Luft handeln und keinerlei Kontrolle mehr unterliegen, muss man sich ernsthaft fragen, ob unsere derzeitigen „Führer“ überhaupt noch wissen, was sie tun oder so vernebelt sind von den Einflüsterungen ihrer Lobbyisten, dass sie das wesentliche nicht mehr zur Kenntnis nehmen.