Seit April ist es publik: Der Versicherungskonzern mit einem Umsatz von über 100 Milliarden Euro hat ein Problem. Nach einem Berater-Test der Verbraucherzentrale Bremen im Auftrag der Wirtschaftswoche schnitt der „Branchenprimus“ extrem schlecht ab.
Tester sollten die Beratungsleistung von Versicherungsvertretern des Konzerns einholen. Dafür erhielten die Testpersonen eine fiktive Vita, und sollten auf dieser Grundlage ein Versicherungsangebot einholen. Herauskam, dass von den getesteten Beratern praktisch niemand auf Grundlage der vorgelegten Vita die tatsächlich benötigten Versicherungen vorschlugen, während die Versicherungs-Vertreter Versicherungen abschließen wollten, die zu einer hohen Provision der Berater und des Konzerns führen würden, jedoch nicht dem Kunden dienlich gewesen wären.
Die Testpersonen wurden falsch beraten. Ergebnis des Tests: Mangelhaft.
Dabei hat der Allianzkonzern allein in Deutschland mit seinen 10.000 Hauptberuflichen Vertretern rund 2,1 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet. Doch der Branchenriese fährt eine völlig falsche Strategie: Obwohl die Eckdaten gut aussehen, sind dem Konzern seit 2002 eine Million Kunden davon gelaufen. Statt besser zu beraten, den Kundenservice auszubauen und innovative, attraktive neue Produkte an den Kunden zu bringen, hat man die Berater genötigt, veraltete, überteuerte Policen zu verkaufen.
Die Berater selbst sind in einer ähnlichen Bredouille: Sie sollen mehr verkaufen, aber weniger bekommen. Die Banker der Tochter Dresdner Bank (bei der Allianz seit 2002) wurden gar nicht geschult. Im Gegenteil sollten sie zwar Allianz-Produkte anpreisen, aber interessierte Kunden weiter vermitteln. Die Bankleute wussten oft nicht einmal, zu wem sie denn vermitteln sollten, geschweige denn, dass sie kaum mehr Informationen hatten, als der Kunde selbst. So baut man Vertrauen auf.
Dazu kommen noch skrupellose Berater, die falsch beraten, um möglichst hohe Provisionen zu kassieren. Die Krise ist hausgemacht. Sie gründet wie in vielen neueren Fällen in dem Wunsch der Aktionäre, möglichst hohe Renditen einzufahren, koste es was es wolle. Profit geht über alles.
Der Kunde hat hier lediglich die Funktion der Cash-Cow, der abgewatscht wird, wenn er was will, und unter Generalverdacht gestellt ist, kommt es zum Schadensfall.
Und der Allianz-Konzern ist nicht der einzige, der so verfährt.
Juni 22nd, 2008 um 6:51 pm
[…] http://www.provif.de/der-allianz-konzern-und-seine-beratungspraxis/Tester sollten die Beratungsleistung von Versicherungsvertretern des Konzerns einholen. Dafür erhielten die Testpersonen eine fiktive Vita, und sollten auf dieser Grundlage ein Versicherungsangebot einholen. … […]
Juli 9th, 2008 um 12:13 pm
[…] vermitteln, die entweder übertrieben oder gar falsch platziert sind und vollkommen wider des Bedarfs des Kunden. Nur um vielleicht ein paar Euro mehr an Provisionen zu kassieren. Nicht selten sind […]