,,Börsenspiele erfreuen sich immer größerer Beliebtheit‘‘.
Dabei wächst vor allem das Angebot an Börsenspielanbietern, scheint mir …
Es juckt mich der Mündige in mir: ,, Seit wann, vor allem warum interessiert es die Jungs und Mädels von der Sparkasse u.v.a uns das Thema Börse mittels sogenannter ,,Online Börsenspiele‘‘ näher zu bringen ? Letztens als ich schnell einfach nur ein neues Girokonto eröffnen wollte, hat man 2/3 der Zeit genutzt, um mir als angehender Student die Notwendigkeit von mehreren Versicherungen zu erklären- es war ihnen wichtig,- mein Wohlergehen. Wirklich !
Also, was hat der Mündige in mir zum Thema Börsenspiele zu sagen:
Wie bei vielen Spielen macht es erst so richtig Fun, wenn man es erst mal raushat, und das erlebe ich auch bei den meisten Börsenspielen so. Gerade hatte ich eine spitzen Performance; schade nur das es 100.000 € Spielgeld sind, und kein echtes- mein eigenes Kapital ! Zugegeben, was ich da gemacht habe, ist nicht ohne gewesen…ich habe mein Portfolio nicht gerade mit stabilen Bluechips eingedeckt. Meine Wahl hat sich eher auf Optionsscheine und volatile Aktientitel beschränkt. Trotzdem, Spaß hat es allemal gemacht.
Um überhaupt die ernsthaft Teilnahme an einem Börsenspiel in Erwägung zu ziehen, braucht es Hintergrundinformationen rund um alles was mit dem Thema Wertpapiere etc. zu tun hat. Wenn man mit den Standardbegriffen, wie Bluechips oder den Funktionsweisen von Optionsscheinen noch nicht vertraut ist, dann sind Börsenspiele sicherlich ein gute Motivation, um diese kennenzulernen.
Allerdings: wenn man diese nun aus dem FF beherrscht, gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass Börsenspiele nur sehr bedingt eine gewisse Nähe zur Realität aufweisen. Zeitverzögerungen bei den Kursdaten und viele weitere technische Einschränkungen sind der Grund. Vor allem das Verhalten der Börsenspielteilnehmer -die börsenpsychologische Komponente- ist eine gänzlich andere, als wenn mit dem echten, dem eigenen Geld in der sehr komplexen Börsenwelt spekuliert wird.
Wenn man mal von diesen Beschränkungen absieht, und weitere Überlegungen zum Thema Spielen an der Börse einbezieht, wie etwa die stark vertretene ‚,Random Walk Theorie‘‘-Aktienkurse verlaufen so, dass ihre Änderungen nicht prognostiziert werden können-,gelangt man neben dem fehlenden Know How Argument, zu einer für das Börsen- Verständnis sehr bedeutenden Erkenntnis .Mein Prof. wäre bestimmt schon Millionär, wenn das Know How der Grund für den Erfolg an der Börse wäre.
Woher kommt die Euphorie, die uns alle mitreißt selbst an der Börse sein Glück finden zu wollen? Im Fernsehen sieht und hört man täglich Persönlichkeiten, die ihre Millionen an der Börse gemacht haben. Allerdings waren diese ‚Leute‘ bereits in der Position , oder hatten das notwendige Kapital schon von Geburt an, oder es sind Finanzgenies, wie George Sorros oder Warren Buffet. Also nur eine bedeutend geringe Anzahl von Leuten im Verhältnis zu uns ,Normalos‘.
Für die ganz normalen Menschen, wie uns, bleibt wohl nur die Illusion von heute auf morgen an der Börse Reich zu werden ,oder man hat dies gar nicht vor, sondern ist auf der Suche nach einer langfristigen Anlagemöglichkeit mit einer besseren Rendite als mit anderen Anlageformen, um evtl. für die Kinder oder im Alter vorzusorgen. Dann sollte man auch die Finger vom Börsenspiel lassen, sonst lässt man sich noch dazu verführen es zum neuen Millionär schaffen zu können.
Letztendlich sind kommerzielle Börsenspiele neue Marketingentwicklungen der Finanzindustrie, die mehr Menschen das fadenscheinige Gefühl vermitteln sollen, an der Börse erfolgreich sein zu können. Denn woran es ja nur fehle, sei das Know How-klar ?! (-;
Doch selbst die Handvoll besten Wertpapier- bzw. Fondmanager schlagen den Markt auf Dauer nicht mittels aktiv geführten Wertpapierhandel, wie alte und neue empirische Studien belegen. Doch gerade Börsenspiele sind auf das aktive Handeln mit Wertpapieren angelegt- verdienen doch gerade hier die Finanzdienstleister vor allem ihr Geld mit. Passive Investmentstrategien stehen hier deutlich abseits der Rummels um Börsenspiele.
Mit einem bestimmten Maß an Unwissenheit wird der potenzielle Börsenspielteilnehmer natürlich allein gelassen; schließlich sind die Financiers der Börsenspiele keine Altruisten. Die Jungs und Mädels bei den Finanzdienstleistern, die dieses Marketing mitfinanzieren, leben schließlich von den Gebühren und Transaktionskosten, und die steigen mit der zunehmenden Anzahl an Börsenteilnehmern.
Dezember 18th, 2009 um 11:37 pm
Hallo Thorsten,
ich bin zufällig auf deinen Artikel gestoßen. Ich habe seit 6 Monaten ein eigenes Börsenspiel programmiert, mit guten Funktionen, z.B. automatischer Verkauf - Take Profit oder Stop Loss, vielleicht hast du ja Interesse darüber einen Artikel zu schreiben.
Hier gehts zum Börsenspiel http://www.boersenpoint.de/pages/boersenspiel